EM der Jugend, Junioren und Aktiven im Kraftdreikamp mit Equipment 2017

Vom 8. bis 14. Mai fanden die diesjährigen Europameisterschaften der Jugend, Junioren und Aktiven im Kraftdreikampf mit Equipment statt.

Wie auch im Vorjahr legte sich das spanische Team ins Zeug um uns gute Bedingungen zu bieten.

Auf Facebook haben wir zwar sehr zeitnah vom Wettkampf berichtet, dennoch möchte ich noch einmal etwas detaillierter auf die Wettkämpfe eingehen.

In der Jugendklasse bis 57 kg trat Viktoria Beilmann bei ihrem ersten internationalen Wettkampf an. Die Vorbereitung lief aus organisatorischen Gründen nicht optimal und so fehlten ihr wichtige Einheiten im Equipment. Aufgrund des großen Talents konnte sie sich dennoch vier Bronzemedaillen mit 135 - 75 (JDR) – 125 – 335 (JDR) sichern. Mit etwas mehr Erfahrung, mehr mentalem Fokus und regelmäßigem Training im Equipment könnte sie ganz weit oben stehen. Das Talent ist offensichtlich in dieser Familie vorhanden.

In der Juniorenklasse bis 63 kg traten gleich zwei Juniorinnen von uns an. Anne Scholz fand ihren Weg nach einem Jahr der beruflichen Orientierung wieder zurück auf die Wettkampfbühne. In dieser Vorbereitung hatte sie doch etwas zu tun, die überschüssigen Pfunde resultierend aus einem Jahr mit sehr wenig Training, wieder runter zu bekommen. Sie konnte noch nicht ganz an ihre DM-Leistung aus dem Jahre 2016 anknüpfen, zeigte aber, dass sie wieder da ist mit soliden 402,5kg und der C Norm. Damit erreichte sie den siebten Platz in ihrer Klasse.

Marie Hauschild hingegen bestritt ihren ersten internationalen KDK und ihren dritten KDK mit Equipment überhaupt. Sie zeigte eine deutliche Steigerung von 35 kg zur DM und erreichte mit 180-95-160 satte 435 kg sowie Platz fünf und damit auch die B Norm. Sie ist nicht nur sportlich eine Bereicherung für das Team – sondern auch eine gute Kamerafrau, die tolle Aufnahmen vom Wettkampf gemacht hat. Ein Highlight für Marie war es, dass ihre beiden Schwestern und Papa Carsten sie aus dem Publikum unterstützt haben. Einfach ein toller familiärer Support!

Bei den männlichen Junioren hatten wir zwei Athleten in der Klasse bis 93 kg am Start. Die Klasse war so leistungsdicht, dass den letzten Platz und Platz eins lediglich 32,5 kg trennten. Julian Schnurr und Franz Graaf brachten beide 295 kg in der Kniebeuge in die Wertung. Hier muss man aber dazu sagen, dass die beiden Sportfreunde sich über die lasche Wertung in der Kniebeuge der Kampfrichter glücklich schätzen durften. Beide Sportler müssen weiterhin an ihrer Tiefe arbeiten. Im Bankdrücken setze sich Franz mit 220 kg 20 kg vor Julian. Das Kreuzheben entschied dann den Kampf der beiden um Platz fünf im Total. Zwar wuchs Franz Graaf deutlich über sich hinaus mit sehr lockeren 285 kg, dennoch legte Julian noch einen drauf und zog 305 kg und erkämpfte sich damit auch die Goldmedaille im Kreuzheben. Beide Sportler kamen auf 800 kg und bewegten sich nur 5 kg unter der B-Norm. Ein großer Schritt vorwärts nach dem Verletzungsjahr 2016.

In der Juniorenklasse bis 105 kg errang Tim Leitow mit äußerst starken 332,5 kg die Bronzemedaille in der Kniebeuge. Im Bankdrücken gingen 237,5 kg in die Wertung – hier war der Kampf um die Medaille nicht im Vordergrund, da wir durch seinen Fehlversuch möglichst sicher für die Totalwertung arbeiten mussten. Im Kreuzheben sicherten wir uns mit Tims Zweitversuch von 305 kg die Bronzemedaille im Kreuzheben und den dritten Platz im Total. 875Kg bedeuteten bereits einen neuen deutschen Juniorenrekord. Der Sprung auf 325 kg war an diesem Tag dann doch noch einen Hauch zu hoch.

Bei den Aktiven hatten wir zwei Damen am Start.

In der Klasse bis 63 kg konnte Rosina Polster, die durch ihren Verlobten Marc Bielau betreut wurde, ihre Ziele erreichen und die DM-Leistung wiederholen bzw. sogar noch etwas überbieten. Mit 175 – 105 - 160 und somit 440 kg (neue Bestleistung) belegte sie den siebten Platz. Nun konnte auch abschließend geklärt werden, dass das Erector-Shirt ohne Ärmel nur noch im Kreuzheben erlaubt ist. Hier gab es bisher unterschiedliche Auslegungen der Approved List. Diese wurde nun überarbeitet, damit es keine Probleme mehr gibt.

In der Klasse bis 72 kg trat eine nervöse Cathrin Silberzahn an. Man merkte ihr nach der Kniebeuge an, dass ihr eine große Last von den Schultern fiel. Die alte Verletzung scheint nun überwunden (auch im Kopf) und sollte eine adäquate WM Vorbereitung ermöglichen. In der Kniebeuge zeigte sie, dass sie deutlich stärker als zur WM ist, aber technisch noch nicht sicher. Somit gingen die gebeugten 215 kg knapp nicht in die Wertung – wobei sie aus meiner Perspektive ehrlich gesagt gut aussahen. Im Bankdrücken eröffnete sie vorsichtig den Wettkampf und verpasste mit 140 kg knapp den Medaillenrang. Im Kreuzheben zog sie kämpferische 192,5 kg, was ihr ein Total von 535 kg einbrachte (DR) und den sechsten Platz. Mit etwas mehr technischer Wettkampfsicherheit sollte der Sprung in den Medaillenrang bald möglich sein (Platz drei ging mit 550 kg an die Schwedin Ronnqvist). In einigen Tagen geht es für sie bereits weiter zur WM im Bankdrücken – ich denke, dass sie dort noch ein paar Kilos mehr drücken kann.

Auch das Männerteam war überschaubar.

Unser leichtester Starter war Max Lochschmidt. Wie sich bereits im Training abzeichnete, legte er eine saubere Serie in der Klasse bis 83 kg hin. Was den Zuschauern daheim vielleicht nicht aufgefallen ist – Max hat sich beim Aufwärmen in der Kniebeuge bereits den Rücken gezerrt gehabt und musste sich durch den ganzen Wettkampf durchbeißen. Meinen Respekt vor so viel Kampfgeist. Er erkämpfte sich etliche Bestleistungen und ließ sogar noch ein paar Kilo auf der Bühne. Mit starken 320 - 217,5 - 302,5 kg erreichte er den vierten Platz im Total und konnte sich sogar noch die Silbermedaille im Kreuzheben sichern.

In der Klasse bis 93 kg ging Philipp Schweda erstmals an die internationale Wettkampfhantel. Er selbst kann sich noch nicht einschätzen und so mussten Rolf, Marc und ich hier oftmals eher kleinere Steigerungen bzw. Einsatzlasten wählen. Philipp kam nicht ganz an seine DM-Leistung heran, konnte aber dennoch mit 817,5 kg die B-Norm bestätigen und sich sogar den sechsten Platz erkämpfen.

In der Klasse bis 105 kg traten zwei Sportler an. Für Sebastian Kaindl ging es primär darum, sich wieder auf der internationalen Bühne zurück zu melden, nachdem es im letzten Jahr zum WEC nicht lief. Er konnte seine Vorjahres-EM-Leistung von 855kg wiederholen. Die Versuche sehen noch nicht rund aus und auch an seinem Gang erkennt man, dass da noch der Wurm drin ist. Hier werden die Physiotherapeuten in den nächsten Monaten noch etwas Arbeit vor sich haben. Zwar konnte Sebastian die erforderliche A-Norm zur Verlängerung seiner Kadermitgliedschaft nicht erreichen, dennoch lässt er sich davon nicht unter kommen und wird uns sicher bald wieder eine A-Norm anbieten.

Für Martin Lange lief es alles andere als gut. Im Aufwärmraum flogen die Gewichte förmlich. Auf der Bühne knickte dann zweimal das rechte Knie nach innen wodurch wir beide Versuche vor dem Erreichen der Tiefe abbrechen mussten. Im Drittversuch stellte er sich eng hin um das Knie besser nach außen drücken zu können und saß mit einer tollen Tiefe in der Hockposition. Leider kam er beim Aufstehen etwas aus der Bahn mit 360 kg und schied somit aus dem Wettkampf aus. Manchmal sind es so banale Dinge, die zwischen einem tollen Wettkampf und einer Niederlage entscheiden. Martin war körperlich in Topform und wird auch für die WM nochmal alles daran setzen zu beweisen, dass er aktuell die Nummer eins in der Klasse bis 105 kg in Deutschland ist.

In der Klasse bis 120 kg machte Dominik Pahl den Abschluss für das deutsche Team. Nachdem er in der Kniebeuge die letzten beiden Jahre seine eigentliche Leistung im Wettkampf nicht abrufen konnte, scheint nun der Knoten endlich wieder geplatzt zu sein. Mit technisch äußerst schönen 380 kg sicherte er sich die Bronzemedaille in der Kniebeuge. Im Bankdrücken konnte er mit 265 kg eine neue persönliche Bestleistung aufstellen und im Kreuzheben gelangen 302,5 kg, was ihm ein Total von 947,5 kg und den fünften Platz im Total einbrachte. Bei der Steigerung auf 320 kg ging die Hantel leider am Oberschenkel auf.

Mein Fazit zu den Bedingungen: Unter der Sonne Spaniens zu heben ist schon etwas Besonderes. Da wurden auch kleinere „Fehler“ wie die schlechten Shuttlezeiten von uns verziehen. Was mir persönlich nicht gefallen hat, waren die Scheibenstecker. Sie waren langsam, unbeholfen und strahlten keine Sicherheit für den Sportler aus. Das darf es aus meiner Sicht nicht auf einer internationalen Meisterschaft geben. Etwas schade war es auch, dass wir trotz unserer Bestellung der Bankettkarten nicht am Bankett teilnehmen konnten, da die Veranstaltung überbucht war.

Ich möchte kein Fass aufmachen, aber die EPF hat nun zum ersten Mal Stellung zum Eindrehen der Träger durch ihre Juryentscheidungen bezogen. In den ersten Tagen der Meisterschaft wurde das Trägereindrehen noch toleriert oder übersehen. Bei den Aktiven wurden wir dann verwarnt. Nachdem mir im Regelwerk niemand zeigen konnte, dass es verboten sei – schließlich ist es seit Jahren international üblich – wurde mir mitgeteilt, dass dies eine Änderung an der Anzugdicke sei und dadurch eine Manipulation des Equipments darstellen würde. Aus meiner Sicht gibt das Regelwerk so eine Interpretation nicht her. Dennoch sollte die IPF aus meiner Sicht nun eine „Interpretation des Regelwerks in Bezug auf das Trägereindrehen“ online stellen, denn sonst spielen wir Roulette und sind stets abhängig von den Interpretationen der örtlichen Jury. Durch das Trägereindrehen ist es möglich die Anzüge von Versuch zu Versuch etwas nachzujustieren und ist nicht gezwungen entweder mehrere Anzüge mitzunehmen (und diese zwischen den Versuchen zu wechseln) oder den Anzug bereits im ersten Versuch knalleng tragen zu müssen. Es ermöglicht einen sichereren Einstieg und somit sicherlich auch weniger ungültige Versuche auf der Bühne. Ich sehe durch das Eindrehen der Träger nur Vorteile. Gerne akzeptiere ich als IPF Coach eine Entscheidung der IPF – diese sollte dann aber auch eine allgemeine Gültigkeit finden für alle kommenden internationalen Wettkämpfe.

Mein Fazit zum deutschen Team: Wie alle sehen konnten, war unser Nachwuchsteam ziemlich klein. Aus diesem Grund können wir mit dem sechsten Nationenplatz mehr als zufrieden sein. Bei den Aktiven sind unsere drei World Games Starter auch nicht ins Rennen geschickt worden trotz großer Titelchancen, da sie in kürze im Bundesligafinale für ihre Vereine antreten werden. Somit können wir auch mit Platz sieben im Aktivenbereich durchaus zufrieden sein.

An dieser Stelle möchte ich mich bei den Heimtrainern Nick Lieberknecht und Matthias Scholz bedanken, die ihre beiden Nachwuchsdamen solide auf ihren ersten internationalen Start vorbereitet haben. Mein Dank gilt auch Joachim Lehmann, der als Kampfrichter sowohl wertend als auch wachend (Jury) im Einsatz war. Besten Dank auch an Rolf Hampel und Matthias Scholz, die mir als Disziplintrainer den Rücken frei gehalten haben und mir rundum Überblick ermöglichten. Auch ein Dankeschön an Marc Bielau, der sich für den bayrischen Teamteil die Zeit bei den Kleiderkontrollen und beim Wickeln/Anzuganziehen genommen hat, um uns zu unterstützen. Schön war es auch Heiko Krüger und Kevin Jäger zu sehen, die das Team aus den Zuschauerrängen unterstützt haben und auch im Aufwärmraum gerne eine helfende Hand für das deutsche Team hatten. Ich persönlich fand es schade, dass keine gemeinsame An- und Abreise möglich war – dennoch waren stets alle anwesenden Teammitglieder in der Halle und haben ihre Kollegen angefeuert. So muss das sein!

Im Rahmen der Leistungsausschusssitzung werden am 26. Mai meine Teamvorschläge für die kommenden beiden Weltmeisterschaften und dem WEC besprochen werden. Kurz darauf werden die Nominierungen an die Sportler versendet.

Ich bin stolz auf mein Team und die gezeigten Leistungen und bin mir sicher, dass wir zur WM noch eine Ecke zulegen können.

 

Francesco Virzi
Bundestrainer Kraftdreikampf im BVDK e. V.

(Bilder: Marie Hauschild & Rosina Polster)

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