Weltmeisterschaften 2014

Die diesjährigen Weltmeisterschaften im Powerlifting der Frauen und Männer wurden vom 03. bis 09. November 2014 in Aurora bei Denver (Colorado, USA) ausgerichtet.

Die Anreise zur WM verlief ohne große Komplikationen und so kamen wir, nachdem wir etwa 24 bis 26 Stunden auf den Beinen waren, im Wettkampfhotel an. Die ersten Nächte waren noch recht kurz, da wir die Zeitverschiebung doch recht stark zu spüren bekommen haben.

Am 04. November hatten wir noch keinen Wettkämpfer und so stand uns dieser Tag zur freien Verfügung. Die meisten nutzten diesen Tag um sich an die Zeitumstellung zu gewöhnen und schauten sich die Rocky Mountains mit dem Auto an oder legten einfach die Beine nach oben im Hotelzimmer.

5. November – Eduard Tepper
Am 05. November eröffnete Eduard Tepper für das deutsche Team die Wettkämpfe. Beim Warmmachen war seine Form noch nicht absehbar, da er an keine hohe Last ging. Er wollte den Wettkampf mit für ihn niedrigen 260 kg eröffnen, da er sich noch nicht 100%ig sicher fühlte nach seiner Knieverletzung. Die 260 kg beugte er wie einen Besenstil (2:1 gültig, Tiefe) und wir steigerten auf eigentlich sichere 280 kg. Im zweiten Versuch sparte er erneut an der Tiefe und bekam diesen Versuch 2 zu 1 ungültig bewertet. Das Gewicht sah dennoch sehr leicht aus und daher entschieden wir auf 290 kg weiter zu steigern mit der Absicht, dass er sich durch die Hantellast weiter nach unten drücken lässt. Aber auch bei den 290 kg sollte es nicht mit der geforderten Tiefe funktionieren und somit gingen leider nur magere 260 kg in die Wertung. Aus meiner Sicht war hier sein Kopf der größere Gegner (größer als das Eisen und die Tagesform) und ihm hier noch zu sehr im Weg. Weiter ging es mit dem Bankdrücken.

Mit sicheren aber nicht so leichten 220 kg eröffnete Eddy das Bankdrücken. Man sah bei diesem Versuch, dass er nicht seine Trainingsform (vom Kaderlehrgang) bestätigen können wird. Aus diesem Grund entschieden wir uns für einen kleineren Sprung und steigerten auf 227,5 kg. Diese drückte er kräftig nach oben, aber leider wollte auch der Po “nach oben“, was zu einem ungültigen Versuch führte. Eddy hatte das Gefühl, dass die Last zu gering sei und er somit zu viel Anstrengung hatte mit der Last runter zu kommen. Daher steigerten wir um 2,5 kg auf 230 kg. Mit dieser Last kam er dann recht gut nach unten, leider fehlte hier dann die nötige Kraft bei der Aufwärtsbewegung.

Im Kreuzheben war der Fahrplan dann klar: Die bestmögliche Totalplatzierung herauszuholen. Mit sicheren 270 kg ging Eddy in den Wettkampf. Wir steigerten auf 287,5 kg um mit der Konkurrenz mitgehen zu können. Auch diese zog Eddy gut nach oben. Mit 295 kg im Kreuzheben (dieses Gewicht war für den siebten Platz nötig) und somit 775 kg im Total, sicherte Eddy sich einen guten siebten Platz in der Klasse bis 83 kg bei dieser WM.

Fazit: Trotz des 10% Leistungsverlustes (EM Leistung: 840 kg) war die Ausbeute in der Klasse bis 83 kg maximal. Das Vertrauen in seine körperliche Leistungsfähigkeit scheint nun wieder hergestellt zu sein. Schade, dass er beim Jahreshöhepunkt aufgrund seines Trainingsrückstandes nicht seine eigentliche Stärke zeigen konnte. Für die kommende EM in Deutschland wünsche ich Eduard persönlich, da diese auch aufgrund seiner Familienplanung sein letzter internationaler Wettkampf sein wird, dass er sich mit einem neuen deutschen Totalrekord von der internationalen Bühne verabschieden kann.

06. November – Jan Bast, André Hentschel & Susann Cichon
Am 06. November gingen drei deutsche Athleten an den Start. Am Vormittag durften André Hentschel und Jan Bast in der Klasse bis 93 kg ans Eisen. Direkt im Anschluss ging es für eine sehr leichte Susann in der Klasse bis 63 kg zur Sache.

André Hentschel eröffnete als erster das Kniebeugen mit 310 kg und bereits dort passierte das Unerwartete. Ein Scheibenstecker berührte einseitig die Hantel wodurch sich André gleich bei seinem ersten Versuch an der Schulter verletzt hatte. Seinen Zweitversuch von 320 kg beugte er zwar dennoch, bekam ihn aber aufgrund mangelnder Tiefe ungültig bewertet. In der Wiederholung gelang es ihm das Kampfgericht doch noch zu überzeugen.

Jan Bast eröffnete den Kniebeugewettkampf mit 315 kg, welche alles andere als gut aussahen. Wir entschieden uns „kleine Brötchen zu backen“ und steigerten auf 322,5 kg und letztendlich auf 327,5kg. Mit Kampf brachte er auch diese Versuche in die Wertung.

Beim Aufwärmen zum Bankdrücken wurde uns rasch klar, dass André aufgrund der Verletzung keine gescheiten Bankdrückversuche im Equipment abrufen können wird und somit entschied André sich für 125 kg im Erstversuch um wenigstens in der Wertung zu bleiben und beim Kreuzheben teilnehmen zu können. Jan legte eine kämpferische Serie von 257,5-262,5-265 kg hin. Leider reichte es für die Einzelmedaille nicht ganz. Dennoch wichtige Kilos um im Top-Ten-Bereich landen zu können.

Beim Kreuzheben konnte André für ihn gute 300 kg kämpferisch in die Wertung bringen, was ihn auf 745 kg und Platz 15 (von 19 Startern) brachte. Schade für ihn, da mit einer soliden Bank eine Steigerung der Totalbestleistung seit Jahren mal wieder wäre möglich gewesen. Jan kämpfte mit etwas Glück die gezogenen 307,5 kg für 900 kg in die Wertung, welche einen neuen deutschen Rekord darstellen. Hiermit konnte er sich in der stark besetzten Klasse Platz neun sichern. Sieger wurde der russische Ausnahmeathlet Dmitry Inzarkin, der mit neuem Weltrekord von glatten 1000 kg für Aufsehen sorgte. Die Klasse bis 93 kg war aus meiner Sicht die am hochklassigsten besetzte Klasse dieser WM, was sowohl den Kampf um die Medaillen als auch die Dichte angeht.

Gleich im Anschluss ging es mit Susann Cichon weiter. Susann brachte magere 57,68 kg in die Wertung. Sie musste sich am Frühstückstisch noch hochfuttern, um letztendlich in der gemeldeten Klasse bis 63 kg starten zu können. Das Leben in Norwegen und das gesunde Essen ihrer Gastfamilie lassen eine Gewichtszunahme nicht zu. Mit 162,5 kg in der Kniebeuge, 85 kg im Bankdrücken und 162,5 kg im Kreuzheben blieb sie zwar deutlich unter der ursprünglich geplanten Last, konnte aber mit knappen 470 Punkten eine neue Bestleistung aufstellen. Sie belegte Platz zehn in ihrer Klasse. Für die EM in Chemnitz wird sie entweder zur DM noch eine Ecke Gewicht (Körpergewicht und Hantellast) draufpacken müssen oder sich für einen Start in der Klasse bis 57 kg entscheiden müssen. Siegerin in dieser Klasse wurde die Ukrainerin Laryssa Soloviova mit neuem Weltrekord von 638,5 kg. Das Kreuzheben machte sie mit angezogener Handbremse um den Totalrekord nur dezent zu verbessern, ansonsten wären an diesem Tage die 700 Wilkspunkte erstmalig gefallen. Sie ist ihren Mitstreitern meilenweit voraus.

07. November – Mike Schollbach & Martin Lange
Auch in der Klasse bis 105 kg gingen zwei deutsche Heber an den Start. Mike Schollbach und Martin Lange vertraten die deutschen Farben am 07. November.

Mike Schollbach konnte auf der internationalen Bühne drei neue Bestwerte aufstellen (KB, BD, Total) und belegte mit 335/232,5/295/862,5 kg einen schönen neunten Platz in dem 20 Mann großen Feld.

In der Kniebeuge fehlte im Zweitversuch bei 330 kg die geforderte Tiefe, wodurch wir den Sprung auf 335 kg wählten. Diese Last beugte er ohne großen Kampf in die Wertung. Im Bankdrücken eröffnete er mit einem Wackelversuch den Wettkampf, wodurch wir zunächst kleine Sprünge wählten.

Letztendlich hat Mike hierdurch in allen drei Disziplinen ein paar Kilos auf der Bühne liegen gelassen. Der Sprung in den A-Kader sollte somit im nächsten Jahr realisierbar sein.

Martin Lange ist nun wieder auf seinem Pre-Umzugs-Niveau. Er erreichte mit starken 347,5/230/317,5/895 kg auf seiner ersten Weltmeisterschaft Platz acht. In der Kniebeuge konnte er sein Leistungspotenzial noch nicht umsetzen, da er im Drittversuch mit der durchaus machbaren Last von 360 kg technisch scheiterte. Im Bankdrücken schien auch noch etwas Luft gewesen zu sein. Anders als im Kreuzheben, hier zog er die für die A-Norm notwendigen 317,5 kg sehr kämpferisch und mit dem nötigen Glück in die Wertung. Sieger der Klasse wurde der Ukrainer Vadym Dovganyuk mit unglaublichen 1050 kg.

08. November – Jewgenij Kondraschow
Am 08. November durfte der Kadersprecher des deutschen Teams an die Hantel. In der Kniebeuge brachte er leider nur seine Anfangslast von 350 kg in die Wertung. Die Steigerung auf 365 kg wurde im zweiten Versuch aufgrund mangelnder Tiefe ungültig bewertet. Im dritten Versuch war dann die „Luft raus“.

Im Bankdrücken stieg Jewgenij mit sicheren 247,5 kg ein, steigerte sich über 257,5 kg auf ordentliche 267,5 kg. Das Kreuzheben eröffnete er mit für ihn zäh gezogenen 315 kg. Die Steigerung auf 332,5 kg brachte er kämpferisch nach oben und bestätigte seine A-Norm auf dieser WM mit soliden 950 kg. Der dritte Versuch von 337,5 kg war an diesem Tag zu schwer. Dies bedeutete letztendlich den siebten Platz. Sieger wurde King Carl Christensen mit 1230kg – diese Weltrekordlast brachte ihm auch zudem den Gesamtsieg der Weltmeisterschaft.

Fazit
Unsere Teammitglieder zeigten eine starke Leistung mit vielen neuen Bestwerten und deutschen Rekorden. Jeder Athlet erreichte mindestens die B-Norm auf internationaler Bühne und bestätigte somit die Kaderzugehörigkeit (Einzige Ausnahme bildete André Hentschel, der sich in der Kniebeuge an seiner Schulter verletzte und somit in seiner Paradedisziplin sein Können nicht mehr zeigen konnte).

An dieser Stelle möchte ich mich außerdem bei Reiner Heinrich bedanken, der kurzfristig als Assistenzcoach mit zur WM gekommen ist um das deutsche Team zu unterstützen. Des Weiteren gilt mein Dank Kerstin Klawitter-Thomsen, die wie sooft als Kampfrichterin auf höchster Ebene tätig war und fair richtete.

Nun noch ein paar allgemeine Worte zu Veranstaltung
Das Essen im Hotel war wie erwartet Amerikanisch und nicht besonders sportartgerecht. Die Unterbringung in den Zimmern war aber auch amerikanisch und daher sehr geräumig und gemütlich. Die Weltmeisterschaft war sehr hochkarätig besetzt und so war es uns möglich im Verlauf der Woche ganze 55 (!!!) neue Weltrekorde zu verfolgen. Der Warm-Up-Bereich war mit neun (!!!) kompletten Plattformen äußerst groß, so dass es beim Aufwärmen nie zu hektischen Situationen kommen musste. Man merkt, dass hier das Niveau von Jahr zu Jahr steigt. Unter anderem war bei der kompletten WM ein professioneller Sprecher vorhanden, der dieser WM noch eine ganz besondere Note gab. Auch schön war es, dass die Hauptsponsoren ihre Stände die komplette Woche über in der Wettkampfhalle hatten, wodurch man sich mit allen Neuerungen vertraut machen konnte. Das Abschlussbankett bei dem sich alle Athleten noch einmal feierlich versammeln um die WM gemeinsam ausklingen zu lassen, endete bereits ziemlich früh, da der DJ die Musik einstellte. Auch das Essen war dem Preis nicht angemessen. Das deutsche Team war sehr unzufrieden damit. Sollte sich das Leistungsniveau dieser Abschlussveranstaltung nicht ändern, so werden wir in Zukunft zu diesen Konditionen nicht mehr teilnehmen. Hier besteht Handlungsbedarf seitens der IPF.


Ich wünsche allen Athleten eine gute Heimreise, eine gute Erholung, André eine rasche Genesung und allen einen guten und baldigen Einstieg in die EM-Vorbereitung, damit wir mit einem starken Team in Chemnitz vertreten sein können. Wir müssen noch eine Schippe zulegen.

 

Francesco Virzi
Bundestrainer im Kraftdreikampf Jugend und Junioren im BVDK

 

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