WM Classic 2017 in Minsk /Belarus (Nachwuchs und Aktive)

Unsere Reise startete am 17. Juni 2017. Mit unserer Ankunft lösten wir unser Seniorenteam ab. Hier gab es eine kleine Übergabe durch Rolf Hampel, der mir die örtlichen Bedingungen erklärte, so dass wir uns nicht lange zurecht finden mussten.

In der Jugendklasse bis 72 kg eröffnete Sandra Augustiniok die Wettkämpfe des Nachwuchsteams. Mit einem super Wettkampf errang sie in allen drei Disziplinen sowie im Total die Silbermedaille. Sie erreichte 135 kg-87,5 kg (DRJ)-162,5 kg (DRJ), was sie zu einem Total von 382,5 kg (DRJ) brachte. Der Sieg dieser Klasse ging an Doublin (USA) – sie wurde auch relativbeste Heberin der Jugendlichen mit einem Total von 476,5 kg und somit 469 Punkten. Sie war an diesem Tag einfach nicht zu schlagen. Dennoch bin ich mir sicher, dass Sandra das Potenzial hat, auch einmal ganz weit oben auf dem Treppchen zu stehen.

Bei den Junioren hatten wir zwei heiße Eisen im Feuer. Maxim Schutan und Lucas Hügerich durften zeitgleich auf zwei verschiedenen Wettkampfplattformen heben. Maxim trat in der Klasse bis 93 kg an, Lucas in der Klasse bis 105 kg. Unterstützt wurde ich bei der Betreuung durch Julian Schramm und Tobias Moertel (Dedicated Sports). Der als äußerst starker Beuger bekannte Maxim konnte in diesem Wettkampf nicht so richtig seinen Ablauf bei der Kniebeuge finden. Somit gelang ihm dort nur ein Versuch mit 260 kg. Im Bankdrücken (182,5 kg) und im Kreuzheben (260 kg) gelangen dann jeweils drei gültige Versuche, was zu Bestwerten in diesen Disziplinen führte. Mit 702,5 kg erreichte er als Junior die A-Norm und den siebten Platz im 18-Mann starken Feld.

Lucas Hügerich zeigte im Aufwärmen (anders als Maxim) Unsicherheiten, wodurch wir uns entschieden seine Anfangslast in der Kniebeuge zu reduzieren. Auf der Bühne ging dann alles leichter als erwartet und es blieben sogar noch ein paar Kilos in der Kniebeuge liegen. Dennoch war die gewählte Last von 275 kg ein neuer deutscher Juniorenrekord. Im Bankdrücken (172,5 kg) und im Kreuzheben (270 kg) erreichte er neue Bestwerte. Da der Platz nach hinten sicher war, versuchten wir noch einen Platz vorzurücken und entschieden uns für einen großen Sprung auf satte 290 kg im Kreuzheben. Diese waren an diesem Tag noch ein wenig zu schwer. Somit erreichte er mit 717,5 kg den neunten Platz im 13-Mann großen Feld. Sowohl Lucas als auch Maxim werden uns sicherlich noch etwas Freude bei den Aktiven bereiten – für sie steht nun der Wechsel an. Dies war ihr letzter internationaler Wettkampf als Junioren.

Bei den Aktiven eröffnete Tamara Thomsen die Wettkämpfe. Sie trat, wie immer international, in der Klasse bis 63 kg an. Mit einem fabelhaften Wettkampf belegte sie den vierten Platz im Total (mit dem gleichen Total wie die Drittplatzierte). Sie beugte satte 162,5 kg (aus dem Bilderbuch), welche einen neuen deutschen Rekord darstellten und auch die Silbermedaille dieser Disziplin. Gold war zum Greifen nah, aber wir wussten zu dem Zeitpunkt, dass es im Total sehr eng werden wird und somit hieß es wieder einmal „Nüsse sammeln“. Im Bankdrücken gelangen ihr äußerst sichere 90 kg, was eine neue persönliche Bestleistung darstellte. Im Kreuzheben brachte sie ihren Zweitversuch in die Wertung, was ihr solide 180 kg im Kreuzheben und tolle 432,5 kg in der Totalwertung einbrachte. Diese bedeuteten erneut einen deutschen Rekord. Hier konnte sie – nach mehreren misslungenen Anläufen - den von Gundula Fiona von Bachhaus im Jahr 2014 aufgestellten Rekord um satte 7,5 kg erstmals überbieten.

Fabian Gerritzen trat in der am meisten besetzten Klasse an. Die 83 kg Klasse hatte 28 (!!!) Teilnehmer. Das sind einer WM würdige Teilnehmerzahlen. Hier zeigt sich deutlich, dass die Klassen im RAW-Bereich massiv gefüllt sind. Aber nicht nur die Quantität war gegeben, sondern auch die Qualität. Entsprechend hoch war die Leistungsdichte. Fabian knüpfte nahtlos an seine EM-Form an und erreichte sowohl in der Kniebeuge als auch im Bankdrücken, dieselben Resultate wie auf der EM. Lediglich im Kreuzheben konnte er „nur“ 290 kg in die Wertung bringen. Dies bedeutete in diesem Feld dann leider Platz 24 im Total. Für ihn hatten zurzeit andere Dinge Prioritäten wie z. B. sein Umzug nach Niedersachsen. Ich wünsche ihm, dass er bald wieder an seine alte DM Leistung (690 kg) von 2016 anknüpfen kann, wenn er sich in seinem neuen zu Hause gut eingelebt hat.

Am letzten Tag der Veranstaltung durften zwei weitere Heber an die Hanteln. Silvia Szarvas trat in der Klasse bis 84 kg bei den Frauen an. Sie konnte eine kleine Schippe auf die EM Leistung drauflegen und zeigte inzwischen wesentlich sicherere Versuche als noch zur EM. Sie scheint sich an die internationale Bühne zu gewöhnen. Ein Prozess, den man nicht außer Acht lassen sollte in der Entwicklung eines Sportlers. Ihr Auftreten hat mir gut gefallen. Sie war in Begleitung ihres Heimtrainers Jan Thurn, der ihr auch die nötige Sicherheit gab. Mit 162,5 kg – 125 kg – 185 kg erreichte sie schöne 472,5 kg und belegte den fünften Platz in ihrer Klasse. Die Bankdrückleistung brachte ihr zudem noch das schöne Edelmetall Silber nach Hause.

In der Klasse bis 105 kg ging unser schwerster Mann an den Start, der - nebenbei erwähnt - eigentlich noch viel zu leicht ist. Tim Konertz konnte bei seiner ersten IPF WM den 13. Platz in dieser äußerst starken Klasse belegen. Die Differenz von Platz 1 und 10 betrug gerade einmal 102,5 kg. Ein Wahnsinnsfeld mit Topleistungen, die uns in dieser Klasse geboten worden sind. Tim erreichte in der Kniebeuge 270 kg, im Bankdrücken eine Bestleistung von 170 kg und im Kreuzheben 320 kg. In der Summe macht das starke 760 kg. Mit etwas mehr Körpergewicht und stabileren Abläufen in der Kniebeuge sollte zur DM noch ein Sprung nach vorne zu erwarten sein – da bin ich mir sicher.

 

Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei allen Helfern, insbesondere bei Dirk Surma, der nahezu bei allen Athleten kräftig mit im Einsatz war. Ein alter Hase, den durch seine Trainingspartnerin Tamara das internationale Wettkampffieber gepackt hat. Besten Dank auch an Sven Thomsen für das Antreiben seiner Gattin. Herzlichen Dank auch an die Heimtrainer Stefan Augustiniok, dem DS Team und Jan Thurn für die Vorbereitung ihrer Athleten.

Als Kampfrichter war Jewgenij Kondraschow für Deutschland regelmäßig im Einsatz.

Fazit: Wir haben im Classic-Bereich ein noch sehr kleines Team. Wie ich bereits in vorhergehenden Beiträgen erwähnt habe, hat der BVDK hier AUS MEINER SICHT den Anschluss bzw. den Einstieg in die RAW-Branche verschlafen. Dennoch haben wir nicht nur international einen Classic-Trend, sondern auch national. Wir müssen schauen, dass wir national weiterhin gute Athleten fördern können, um uns langfristig ein starkes Team aufbauen zu können. Hier sollte die Nachwuchsarbeit an erster Stelle stehen sowie die Ausbildung guter Trainer. Es wird nicht mehr möglich sein, mit engerem Equipment zu „tunen und tricksen“ – hier muss der Sportler durch erfahrene Trainer weiter nach vorne gebracht werden. Stagnieren bedeutet beim jetzigen Trend einen Rückschritt. Dies zeigt welches hohe Gewicht der Classic DM zugesprochen werden sollte. Hier liegt die Zukunft unseres Verbandes. So gerne ich auch den Equipped-KDK als Trainer mag, so denke ich, dass dies nur noch ein kleiner Kreis an Sportlern in den nächsten Jahren betreiben wird. Lassen wir uns überraschen – niemand kann in die Zukunft sehen.

 

Francesco Virzi
Bundestrainer Kraftdreikampf  im BVDK e. V.
 

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