Dubai 2019

In der Wüstenstadt Dubai fand die diesjährige Weltmeisterschaft im Kraftdreikampf statt. Knapp 250 Athletinnen und Athleten wurden für diese Titelkämpfe gemeldet, dieses Mal auch mit einigen Teilnehmern aus dem Iran, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das deutsche Team war mit fünf Frauen und fünf Männern recht ordentlich besetzt, so das für das Trainer- und Betreuerteam lediglich der Dienstag frei war.

Die Wettkampfhalle und die Hotels waren wie es für Dubai üblich ist sehr großzügig. Bei der Ausrichtung wurde einiges an Geld in die Hand genommen, so dass in der Halle sehr gute Bedingungen herrschten, lediglich die rund 30 km vom Hotel zur Halle waren für Athleten, Trainer und Kampfrichter sehr mühselig.

Den Anfang machte am Montagnachmittag Anja Schreiner in der Gewichtsklasse bis 47 kg. Wie auch im letzten Jahr wurden die Klassen bis 47 kg und bis 52 kg in drei Gruppen zusammengelegt, was die Pausenzeiten zwischen den Disziplinen deutlich erhöhte.
Anja machte es gleich in der ersten Disziplin spannend. Nach dem ersten ungültigen Versuch über 160 kg, verlor sie im zweiten Durchgang komplett die Bahn und blieb hocken. In der dritten Runde hat sie nochmal alle Kräfte mobilisiert und kämpfte die Last gültig nach oben. Bronze ging hier mit lediglich fünf Kilo mehr an Stephanie Legard nach Frankreich.
Im Bankdrücken lief es wie am Schnürchen. Drei gültige Versuche über 92,5, 97,5 und 102,5 kg gingen hier in die Wertung und bedeuteten einen neuen deutschen Rekord.
Nach fast drei Stunden Wettkampf kam es dann zum Kreuzheben. Hier galt es trotz müdem Rücken endlich das Total über 400 kg zu schrauben. Gültige 132,5 kg in der ersten Runde waren kein Problem. Im zweiten Durchgang ging es an 10 kg mehr und auch diese konnte Anja in die Höhe bringen. Die letzte Steigerung um 2,5 kg war dann aber zu viel des Guten. So kam sie auf 405 kg im Total und einem guten fünften Rang. Mit dieser Leistung konnte sie ihren eigenen Totalrekord um satte 20kg steigern!

 

Nach dem freien Dienstag ging es am Mittwoch mit den Männern bis 93 kg Körpergewicht und Max Lochschmidt weiter.
Max startete leider mit nur einem gültigen Versuch in die Kniebeuge. Bei 347,5 kg sollte heute Schluss sein. Die Steigerung auf 355 kg war zweimal zu schwer.
Im Bankdrücken konnte er dagegen drei gute Versuche über 220, 227,5 und 232,5 kg verbuchen, welche Hoffnung auf mehr machen.
Glück im Unglück hieß es im Kreuzheben. Nach der Kniebeuge war der Rücken ziemlich platt. Das Warmmachen lief dann zwar nicht leicht, aber nach Plan. 320 kg im Erstversuch kamen noch stabil nach oben. Die geforderten 330 kg im zweiten Durchgang zog er dann zur Hochstrecke aber das Kampfgericht war sich mit drei roten Lampen einig. Im dritten Versuch war die Last dann zu viel für den geschundenen Körper. Mit 320 kg lag er bis zum Schluss auf Platz drei und da der Brasilianer Coimbra sogar platzte, war ihm das Edelmetall auf diesen Weltmeisterschaften nicht mehr zu nehmen. Mit 900 kg im Total sprang auch ein respektabler neunter Rang dabei heraus.

 

Donnerstag waren dann gleich zwei Frauen der und die Männer der 105 kg Klasse am Start, wie gewohnt mit Martin Lange.
In der Früh gingen Cathrin Silberzahn und Marie Hausschild in der Klasse bis 72 kg an den Start.
In der Kniebeuge musste Cathrin gleich Federn lassen. Im ersten Versuch war die Ständerhöhe einen Tick zu hoch und so hatte sie Probleme die geforderten 235 kg zu fixieren und schließlich fehlte es auch ein wenig an der Tiefe. Der zweite Versuch über 235 kg ging dann in die Wertung. Bei fünf Kilogramm mehr waren wieder zu viel rote Karten der Kampfrichter gegen Cathrin. Marie steigerte ihre persönliche Bestleistung ordentlich nach oben. Nach guten 205 kg war das Kampfgericht mit den 212.5 kg nicht zufrieden. Die 215 kg beugte sie dann aber sauber in die Wertung.

Auch im Bankdrücken dann das gleiche Szenario für Cathrin. Für 145 kg benötigte sie zwei Anläufe und auch die drei Zentner im dritten Versuch sollten an diesem Tag nicht sein. Marie legte hier ebenfalls Kilos auf ihre Bestleistung drauf. 127,5 und 132,5 kg gingen in die Wertung. Lediglich die 135 kg im dritten Versuch waren für diesen Tag zu schwer.
Im Kreuzheben zog Cathrin sich von 200 kg zu 210 kg. Der dritte Durchgang mit 220 kg war dann leider noch zu schwer. Marie setzte drei einwandfreie Versuche mit 160, 167,5 und 172,5 kg. Bronze ging hier mit 220 kg an die Dänin Kathrine Bak, die leichte 68 kg auf die Waage brachte.
Im Total kam Cathrin auf 590 kg und den fünften Rang. Marie schraubte ihre Bestleistung auf 520 kg und Platz zehn. Die Medaillen lagen hier mit 612,5 kg, 632,5 kg und 642,5 kg nicht allzu weit entfernt, mit einer besseren Versuchsausbeute hat Cathrin durchaus die Chancen ganz oben mit zu mischen.

 

Am Abend ging es dann mit Martin Lange und den Männern bis 105 kg weiter. 21 Athleten stellten sich dem Kampfgericht. Vier schafften kein Total, unteranderem Titel- und Medaillenkandidaten wie Oleksandr Rubets, Sergii Billy aus der Ukraine und Stian Walgermo aus Norwegen.
In der Kniebeuge konnte Martin nach guten 347,5 kg die 352,5 kg zwar bewältigen, aber zur Verwunderung aller wurde diese wegen mangelnder Tiefe ungültig gegeben. Im dritten Durchgang wurde munter weiter gesteigert und dieses Mal kamen die 357,5 kg auch gültig in die Wertung.
Das Bankdrücken lief über Umwege dann doch nach Plan. Nach einem zähen Warmmachen flog der erste Versuch mit 252,5 kg förmlich über die Bühne. 260 kg stellten dann ebenfalls kein Problem dar, aber die Kampfrichter sahen Martins Hintern etwas schweben und somit wurde dieser ungültig gegeben. Im dritten Versuch bewegte Martin dann starke 265 kg und dieses Mal gab es dazu auch drei weiße Lampen.
Im Kreuzheben ging es mit sicheren 305 kg in die letzte Disziplin. Danach folgten noch 315 kg. Die 320 kg aus der dritten Runde hätten Martins eigenen deutschen Rekord überboten, leider waren sie dieses Mal noch zu schwer.
Mit 937,5 kg belegte er den sechsten Platz in einem großen Feld.

 

Freitag früh ging es ins Schwergewicht der Frauen mit Johanna Hübental und Valerie von Gleichen.
Im Kniebeugen konnten Valerie und Johanna jeweils drei gute Versuche auf die Bühne bringen. Valerie steigerte sich von 212,5 kg auf 220 und 227,5 kg. Bei den Western European Championships 2019 waren es noch 17,5 kg weniger. Johanna ließ hier auch noch Luft nach oben. 222,5 kg, 227,5 kg und 232,5 kg lassen auf mehr hoffen.

Im Bankdrücken hatten beide Athletinnen ihre Probleme. Das Warmmachen sah noch vielversprechend aus. Auf der Bühne konnte Johanna aber dreimal die geforderten 120 kg nicht in der Bahn halten und schied aus. Valerie konnte auch ihren ersten und dritten Versuch in den Saftys wiederfinden. Die 120 kg im zweiten Durchgang waren dafür aber sehr kontrolliert und gültig gedrückt, wiederum 15 kg mehr als beim WEC.
Im Kreuzheben verbuchte Valerie dann wieder drei gute Versuche über 185 kg, 192,5 kg und neuer Bestleistung von 197,5 kg. Johanna brachte nur noch ihren Anfangsversuch von 207,5 kg in die Wertung. Im zweiten Versuch streikte dann der Anzug, so dass 217,5 kg zu viel an diesem Tag waren und sie es auch dabei beließ.
Mit 545 kg platzierte Valerie sich punktgenau in die Top Ten dieser Weltmeisterschaften.

 

Am Abend ging es mit dem Schwergewicht und mit dem nächsten deutschen Duo weiter, Christoph Seefeld und Dominik Pahl starteten in der B Gruppe.
Jeweils nur einen Versuch konnten Christoph und Dominik in der Kniebeuge verbuchen. Christoph sicherte sich seinen Anfangsversuch von 355 kg, mit gebeugten 362,5 kg waren die Kampfrichter zweimal nicht zufrieden. Dominiks 380 kg aus der ersten Runde waren noch zu flach. 385 kg brachte er dann sauber aber auch äußerst schwer in die Wertung. Auf den dritten Versuch wurde deswegen gänzlich verzichtet.

Auf der Bank konnte Christoph nach guten 285 kg auch noch 295 kg schieben, leider erst in der Wiederholung. Dominik wurden seine 270 kg aus der ersten Runde noch ungültig gegeben. In der Wiederholung klappte dann aber diese Last. Und sogar 275 kg drückte er gültig zur Hochstrecke.
Das Kreuzheben beschloss auch diesen Wettkampf. Christoph ließ nichts liegen und brachte alle drei Versuche unter Dach und Fach. 305 kg, 315 kg und 320 kg zog er schlussendlich. Dominik konnte ebenfalls nach guten 310 kg noch 320 kg ziehen. 327,5 kg für eine neue Bestleistung im Kreuzheben und im Total waren heute noch zu viel.
Mit 970 kg im Total belegte Christoph den zwölften Rang und Dominik mit 10 kg mehr den elften Rang.

 

Tobias Zinserling hat dem deutschen Team den Abschluss dieser Weltmeisterschaften versilbert.
Im Kniebeugen musste er nach zwei guten Versuchen über 370 kg und 382,5 kg die Segel streichen. Nach einem Stich im Rücken wurde der dritte Versuch ausgelassen.
Das Bankdrücken schloss er mit einer neuen Bestleistung ab. 260 kg, 270 kg und 277,5 kg drückte er sauber zur Hochstrecke.
Das Kreuzheben wurde dann sehr spannend. Mit 360 kg im Anfangsversuch hatte er keine Probleme. Auch 370 kg sicherte Tobias sich. Die Medaillen wurden aber erst im dritten Durchgang vergeben. Nachdem die Konkurrenz aus Costa Rica ebenfalls 370 kg bewältigte, mussten 372., kg gewählt werden, um überhaupt eine Medaille zu sichern. Da der Russe Andrei Konovalov nach guten 355 kg an 380 kg und 405 kg für den Totalsieg scheiterte, gab es sogar Silber für Tobias.
Mit 1032,5 kg im Total verdiente er sich den siebten Rang in der Königsklasse.

 

Fazit dieser Weltmeisterschaften

Es gibt genügend Potenzial in der deutschen Mannschaft, leider hapert es noch an einigen Technikfeinheiten, um die nötigen Kilos für die vorderen Plätzen gut zu machen. Daran muss nun weitergearbeitet werden, um auf den kommenden Europameisterschaften und vor allem den Weltmeisterschaften in Norwegen die bestmöglichen Ergebnisse einzufahren.

Ich bedanke mich bei allen Athletinnen und Athleten, Betreuern, Trainern und Zuschauern für die geleistete Arbeit und Unterstützung.

 

Marc Polster

Fotos @International Powerlifting Federation

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de