Ein Finale mit allen Facetten des Kraftdreikampfes

Die beiden Favoriten strauchelten auf der Zielgeraden und die Spätzünder der Saison lieferten genau zum richtigen Zeitpunkt ab. Am 27. Mai 2017 war es in Randersacker wieder so weit. Das Bundesligafinale stand an und es musste der Deutsche Mannschaftsmeister unter den sechs Finalisten ausgemacht werden. Nun aber zu den Einzelheiten des Wettkampfgeschehens. Der Seriensieger machte da weiter, wo er aufgehört hat.

Der SV Motor Barth gewinnt zum siebten Mal in Folge die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Kraftdreikampf. Stärkster Mann und routiniert wie eh und je war Eduard Tepper. Trotz kleineren Wacklern im Bankdrücken und Kreuzheben kamen stattliche 800 kg im Total heraus. Damit 529 Relativpunkte. Tobias Persen überraschte sich und die Kampfrichter im Kniebeugen und Bankdrücken. Es blieb kein Versuch liegen und somit kamen im Subtotal bereits 585 kg zustande. Das Kreuzheben war dieses Mal der Knackpunkt und so wurden es „nur“ 845 kg und 502 Relativpunkte. Wenn er diese Beständigkeit beibehält, ist zu den deutschen Meisterschaften 2018 einiges zu erwarten. Junior Hannes Haase verstärkte die Mannschaft auch in der Finalrunde und bot mit etwas Übergewicht stabile 720 kg an und kassierte dafür 471 Relativpunkte. Auf den Streicher verzichteten die Vinetastädter gänzlich, denn Sven “Balu“ Neuendorf bekam lediglich einen Versuch auf der Bank in die Wertung. Mit 1503 Relativpunkten ging der Sieg in diesem Jahr recht niedrig weg, aber es war das höchste, was eine Mannschaft an diesem Tag zusammen brachte.

Silber ging doch noch nach Mainz. Der KSV 08 Mainz verdankt diese Platzierung seinen beiden World Games Teilnehmern. Sascha Stendebach brillierte mit neuen deutschen Rekorden in der Kniebeuge, im Kreuzheben und im Total der 93er Gewichtsklasse. Mit sage und schreibe 952 kg vollbrachte er 600 Relativpunkte und das auf nationaler Bühne. Gunda Fiona von Bachhaus stand dem wenig nach und das nach nur einem Tag nachdem sie im litauschen Kaunas Weltmeisterin im Bankdrücken wurde. Im Kniebeugen und Bankdrücken wollte nach den Strapazen der Reise jeweils nur ein Versuch gültig gelingen. Dafür setzte es nach drei guten Versuchen 190 kg im Kreuzheben für die 63 kg schwere Neunorwegerin. 584 Relativpunkte sollten der letzte Glanzpunkt an diesem Abend für den KSV sein, den Giancarlo Mavrici und Milan Bogner schieden jeweils in der Kniebeuge aus und konnten ihrer Mannschaft nur noch mit dem Subtotal der Bank und dem Kreuzheben helfen. Das waren bei Giancarlo immerhin noch 308 Zähler. Somit kamen die Rheinland-Pfälzer auf 1493 Relativpunkte.

Bronze und damit Platz drei ging zum ersten Mal in die Oberpfalz und damit nach Bayern. Der SC Oberölsbach konnte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung überzeugen. Mannschaftsführer Marc Bielau ging mit gutem Beispiel voran und brachte ordentliche 500 Relativpunkte in die Wertung. Ihm folgte nicht unerwartet Christoph Seefeld. Starke 335 kg in der Kniebeuge brachten ihm eine neue bayerische Bestmarke. Auf der Bank ließ er dagegen einiges liegen und musste sich mit 240 kg zufrieden geben. Im Total kratzte er mit 855 kg und 495 Relativpunkten die 500er Marke haarscharf. Anja Schreiner zeigte sich in Rekordlaune. In ihrem ersten Aktivenjahr verbesserte sie die Werte im Kniebeugen, Bankdrücken und im Total der deutschen Bestenlisten. Bei nur 46,6 kg Körpergewicht erbrachte sie 358 kg im Total und bekam dafür 485 Relativpunkte. Rosina Polster avancierte zum stärksten Streicher dieses Finals. In ihrem siebten Kraftdreikampf innerhalb der letzten fünf Monate bestätigte sie abermals die erforderliche B Norm für den Nationalkader und kassierte im Kreuzheben noch einen persönlichen Bestwert. Mit 1483 Relativpunkten setzten die Schwarzachtaler auch noch einen neuen Saisonbestwert.

Die Darmstädter Fraktion ereilte dasselbe Leid wie die Mainzer. Uneinholbar gestartet, bauten Kevin Jäger und der so sicher geglaubte Dr. Hans Müller ein „Loch“ in der Kniebeuge. Somit waren Titel und Medaillenträume dahin. Max Lochschmidt überzeugte trotz der Europameisterschaftsblessuren und steuerte 547 Relativpunkte für den AC Siegfried Darmstadt bei. Wenn auch leicht geschwächt, konnte man auch auf Konrad Burghardt zählen. Gut ausgelotet packte er mit gerade einmal 91 kg 827,5 kg im Total und kassierte dafür 525 Relativpunkte. Am Ende reichten 1433 Relativpunkte der Hessen nur noch für Blech und der Titelgewinn ist wieder um mindestens ein Jahr verschoben.

Der KBV Bautzen ist mit dem SC Oberölsbach die einzige Mannschaft, die komplett durch den Wettkampf gekommen ist. Leider waren ein paar rote Lampen zu viel und das Verletzungspech auf Seiten der Sachsen. Punktstärkste Athletin war Elke Erbs. Im Kniebeugen und Bankdrücken gelang ihr zwar nur ein Versuch, dafür zog sie stattliche 192,5 kg und kassierte bei erbrachten 475 kg 491 Relativpunkte. Neusachse Marcus Böttger ließ lediglich 10 kg auf der Bühne und schätzte seine 780 kg sehr genau ein. Gastheber Nico Ziegler vom USV TU Dresden haderte im Kniebeugen erst mit dem zu großen Anzug und im Bankdrücken mit einem gerade erst verheiltem Faserriss in der Brust. Somit blieb er in seinen „wichtigen“ zwei Disziplinen deutlich unter seinen Möglichkeiten. Nico Ruhland sicherte als mittlerweile Senior die Mannschaft souverän ab. Mit 1428 Relativpunkten blieben sie nur knapp unter ihrem Saisondurchschnitt und belegten Platz fünf.

Endlich wieder im Finale war der VfB Klötze. Auch die Anhaltiner waren diese Saison nicht von Verletzungen und Krankheit verschont, trotzdem bissen sie sich durch und zeigten ansprechende Leistungen in den Vorrunden. Im finalen Kampf aber schwanden die Kräfte. Prof. Dr. Sven Rogalski meisterte diese Aufgabe noch am besten und verbuchte 471 Relativpunkte für den VfB. Thomas Korell konnte krankheitsbedingt nicht an seine Leistungen der Vorrunden anknüpfen und musste sich mit jeweils nur einen guten Versuch im Kniebeugen und Bankdrücken begnügen. Im Kreuzheben zog er aber noch drei saubere Versuche und bewegte dort fünf Zentner und bekam insgesamt 463 Relativpunkte zugesprochen. Der erst 16 jährige Patrick Lösel knüpfte an die frühen Erfolge der Jugend und Juniorenmannschaften des VfB Klötze an. Mit nicht mal 93 kg Körpergewicht blieb seine Weste im Kniebeugen und Bankdrücken mit 242,5 kg und 145 kg blütenweis. Im Kreuzheben verließ ihn lediglich die Kraft im dritten Versuch in den Fingerspitzen und er musste die geforderten 242,5 kg noch in der Streckung ausklinken. Somit blieben 622,5 kg und stabile 395 Relativpunkte und das im ersten Bundesligastart. Jan Grigat sollte eigentlich gute 50 Zähler mehr in die Mannschaftskasse bringen, leider scheiterte er wie auch insgesamt sechs Athleten gleich in der Kniebeuge. Mit 1330 Relativpunkten können sie aber den Umständen entsprechend zufrieden sein.

Spannend und knapp wie selten zuvor ging diese Saison 2017 zu Ende. Es gab eigentlich keinen Überraschungssieger, der SV Motor Barth setzt seine erschreckende Siegesserie fort. Der KSV Mainz 08 und der AC Siegfried Darmstadt warten weiter auf den ersten Titel. Der SC Oberölsbach behielt am Ende die Nerven und mit einem Quäntchen Glück die lang ersehnte Medaille. Der KBV und der VfB schnupperten endlich wieder Finalluft und ließen noch Reserven für größere Taten in den Folgejahren. Ein großes Dankeschön an die SG Randersacker die den Wettkampf einem Bundesligafinale würdig aufzogen und über die Bühne brachten.

Erholt euch gut von einer langen Saison und hoffentlich sehen wir uns mit allen alten und eventuell mit ein paar neuen Gesichtern wieder. Bis dahin heißt es regenerieren, trainieren und verletzungsfrei bleiben, denn schon am 20. Januar 2018 geht die neue Saison los ;-)

 

Marc Bielau

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de