European Classic Powerlifting Championships 2019 – Teil 1: Jugend und Junioren

Vom 29. November bis zum 08. Dezember 2019 fanden im litauischen Kaunas, wie schon im Jahr zuvor, die Europameisterschaften im Kraftdreikampf Classic statt. Wie schon im letzten Jahr hat der litauische Verband es geschafft hervorragende Bedingungen für die Athleten zu schaffen. Die Wettkampfstätte war nicht wie im Jahr zuvor in der Zalgirio Arena auf der Memel und fußläufig zu erreichen, sodass der ein oder andere sich auch mal ein „Bolt“ bestellt hat, um vom Teamhotel Europa Royale zur etwa 15min. Fahrt entfernten Wettkampfstätte zu kommen. Dafür war aber dieses Mal der Aufwärmbereich deutlich großzügiger ausgestattet, was im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Verbesserung dargestellt hat. Angeführt und betreut wurde das deutsche Team von Bundestrainer Dietmar Wolf, unterstützt von Thomas Starklauf aus Forchheim. Als Kampfrichter und natürlich auch als Fan im Publikum, war Josef Weiss aus Frauenau für das deutsche Team mit dabei.

Den Anfang machten unsere beiden Jugendlichen Starter Eduard Eida vom SV Quitt Ankum in der 74er und Sven Rausch vom Schleswiger SV in der Klasse bis 93 kg.

Eduard ließ sich in seinem internationalen Debut mit einem fast perfekten Wettkampf nicht lumpen. Nach starken 207,5kg in der Beuge (DR) sorgte er mit mehr als zweifachem Körpergewicht von 155 kg auf der Bank für Aufsehen, womit er sogar mit 18 Jahren den dt. Rekord bei den Junioren ergattern konnte und eine Einzelmedaille in Silber mit nach Hause nehmen durfte. Im Kreuzheben war es am Ende nur denkbar knapp als er seinen letzten Versuch mit 235kg für die Bronzemedaille im Total knapp verpasste. Aber mit fast 20 kg Bestwert und 592,5 kg im Total (ca. 430 Wilks), sowie mit fünf neuen deutschen Rekorden kann er auf ein sehr gutes Kaderdebut zurückblicken und wir sind gespannt was wir in den nächsten Jahren von ihm sehen dürfen.

Für Sven war es nach der EM im letzten Jahr und der WM in Schweden bereits der dritte internationale Wettkampf. Trotz etwas leichten 88kg auf der Waage konnte auch er im Wettkampf eine gute Leistung auf der Plattform zeigen. Gut gestartet in der Kniebeuge mit 217,5 kg und einer persönlichen Bestleistung, musste er für den 2,5 kg PR im Bankdrücken zweimal ran. In seiner Paradedisziplin, dem Kreuzheben, hob der deutsche Rekordhalter ebenfalls drei gültige Versuche, blieb mit 257,5 kg aber leicht unter seiner Bestleistung von 262,5 kg und verpasste eine Einzelmedaille. Mit 610 kg im Total hat es am Ende für den achten Rang in einem starken Feld gereicht.

Im Doppelpack ging es zwei Tage später in der 63 kg Klasse der Juniorinnen weiter mit Veronika Schulze vom Schwerathletik Mannheim und Sonia Goncalves da Silva von Kraftsport Colonia.

Für Sonia war es nach den WEC im September das Kaderdebut auf großer Bühne. Nach einigen Rückschlägen im Training konnte sie auf der Plattform aber dennoch überzeugen. In der Beuge gab es mit drei Zentnern (150 kg) schon einmal eine kleine Bestleistung. Auf der Bank startete sie schwer wie nie mit 80 kg, nur 2,5kg unter Bestleistung. Leider war die Steigerung auf 85 kg aber zwei Mal etwas zu schwer. Im Kreuzheben konnte sie sich dann mit starken 185 kg die Bronzemedaille in ihrer Musterdisziplin sichern und mit 415 kg Total (knapp 450 Wilks) Platz Sieben in einem knappen Feld bis zur Spitze sichern.

Für Veronika war es der erste internationale Wettkampf bis 63 kg, nachdem sie schon mehrfach in der 57 kg Klasse überzeugen konnte. Mit starken 160 kg in der Beuge. Nach einem nicht ganz so flüssigen zweiten Versuch konnte sie sich mit nur sechs Kilogramm unter Weltrekord die Silbermedaille im Einzel sichern. Auf der Bank ging es ihr ähnlich wie Sonia und es ging nur der erste Versuch mit immer noch starken 90 kg in die Wertung. Im Kreuzheben blieb es beim Zweitversuch mit 170 kg und verpasste mit nur 2,5 kg hinter Platz drei knapp das Gesamttreppchen mit 425 kg Total und Relativbestwert unter allen Nachwuchsathleten (egal welche Formel).

Beim männlichen Nachwuchs folgten einen Tag später unser beiden 83er Junioren Mainzer Vincent Moll und Lukas Markmeyer aus Ankum in einer äußerst stark besetzten Klasse.

Für Vincent lief es nach einem starken Kaderdebut auf der WEC nicht ganz so rund. In der Beuge brachte er im zweiten Versuch 222,5 kg in die Wertung und auch im Bankdrücken blieb er nach drei Versuchen knapp unter seiner Bestleistung von der Deutschen. Im Kreuzheben hat er sich dann leider bereits beim Aufwärmen die Hand aufgerissen, sodass es schwer war die Kampfrichter zu überzeugen. So atmeten wir alle auf, als er dann im dritten Versuch 255 kg gültig bekam und mit 627,5 kg Total in der Wertung bleiben konnte (Platz 16). Jetzt heißt es also erst einmal neu Anlauf nehmen, denn mit 20 Jahren hat Vincent noch viel Potential bei den Junioren.

Lukas ist bei der DM und dem WEC noch in der 74er Klasse gestartet, konnte dafür aber seine Klasse mit knapp 83 kg überraschend gut ausfüllen. So konnte er mit 225 kg in der Beuge und 147,5 kg im Bankdrücken zwei dicke Bestleistungen auf die Bühne zaubern. Im Kreuzheben gab es dann mit 267,5 kg noch eine weitere Bestleistung und nur beim letzten Versuch sind die 275 kg dem Gleichgewicht zum Opfer gefallen. Mit 640 kg im Total und erfüllter B-Norm blieb er dabei direkt vor Teamkollege Vincent auf Platz 15.

Unsere Nachwuchsathleten haben zum Jahresabschluss eine gute Figur auf internationaler Bühne gemacht und das deutsche Team konnte hier mit starken Leistungen drei Einzelmedaillen verdienen. Herzlichen Glückwunsch!

Wir sind umso mehr gespannt auf die deutschen Jugend- und Juniorenmeisterschaften im Frühjahr, wie sich die Athleten entwickeln und natürlich welche weiteren Talente sich hier noch zeigen werden, welche wir für das deutsche Nationalteam gewinnen können.

 

 

Teil 2 mit den Aktiven folgt.

  

Tim Konertz
Kraftdreikämpfer

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de