Goldregen für das deutsche Team bei den Weltmeisterschaften im Bankdrücken der Jugend, Junioren & Aktiven 2016

Vom 22 bis 24.05.2016 fanden im dänischen Rödby die Weltmeisterschaften im Bankdrücken der Jugend, Junioren & Aktiven statt. Insgesamt gingen 89 weibliche Athletinnen und 144 männliche Athleten an die Hantel. Zusammen mit den Masters, die vom 19. – 21.04. am selben Ort gestartet sind, nahmen 498 Athleten bei diesen Weltmeisterschaften teil.

Bei den Jugend, Junioren & Aktiven gingen 4 deutsche Athletinnen und 7 deutsche Athleten an den Start. Von Karl-Heinz Voscul wurde das deutsche Team als Kampfrichter begleitet.

Klasse bis 63 kg der weiblichen Jugend

Die amtierende Weltmeisterin der Jugend im Bankdrücken Sonja Stefanie Krüger startete in der Vorwoche noch bei den Europameisterschaften im Kraftdreikampf der Jugend & Junioren, bei welchen sie in der Kniebeuge, dem Bankdrücken & dem Total Weltrekorde der Jugend aufgestellt hatte.

Gleich im Anfangsversuch wollte sie ihren erst eine Woche alten Weltrekord verbessern und sie startete mit 116 kg, welche sie sicher in die Wertung brachte. Im Zweitversuch setzte sie noch einen drauf und verlangte nach 122,5 kg, welche sie ebenfalls gültig in die Wertung brachte. Im dritten Durchgang sollte es im Kampf um die Goldmedaille nochmals spannend werden, denn die Kasachin Dyachenko verlangte für ihren Drittversuch nun nach 123 kg. Damit hätte sie Sonja den erst vor ein paar Minuten aufgestellten Weltrekord abgenommen und sich an die Spitze der Klasse gesetzt. Doch dieses Gewicht war am heutigen Tag noch etwas zu schwer und sie scheiterte an diesem Versuch. Damit stand Sonja bereits vor ihrem letzten Versuch als Weltmeisterin im Bankdrücken fest. Für Sonja war aber der Goldtag noch nicht beendet und sie verlangte für ihren Drittversuch nach 127,5 kg, womit sie ihren Weltrekord nochmals ausgebaut hätte und auch diesen Versuch schaffte sie und konnte sich somit ihren vierten WM – Titel in der Jugend sichern. Silber ging mit 112,5 kg an Taissiya Dyachenko (Kasachstan) und Bronze an Zuzanna Firek mit 82,5 kg (Polen).

In der Gesamtwertung der Jugend belegte Sonja mit 137,43 Relativpunkten den zweiten Platz hinter der Russin Daniela Kolesnik, welche auf 163,83 Relativpunkte kam (140 kg @ 56,39 kg Körpergewicht) und vor der Kasachin Taissiya Dyachenko, welche auf 125,80 Relativpunkte kam.

Klasse bis 93 kg der männlichen Junioren

Mit Christian Flueras von Sanssouci Gym Potsdam hatte das deutsche Team einen internationalen Debütanten am Start. Mit 187,5 kg startete er sicher in den Wettkampf. In seinem Zweitversuch verlangte er nach 200 kg, was die Einstellung seiner Bestleistung bedeutete. Auch diesen Versuch schaffte er. Da er nichts zu verlieren hatte, verlangte er für seinen Drittversuch nach 212,5 kg, mit welchen er sich auf den vierten Platz verbessert hätte. Dieses Gewicht war aber an diesem Tag noch etwas zu schwer. Christian hat aber einen tollen Einstand bei seinem ersten internationalen Wettkampf und die WM auf Platz fünf beendet! Gold ging hier mit 260 kg an Easton Schuster (USA), Silber mit 225 kg an Soshi Ito (Japan) und Bronze mit 220 kg an Michal Kojder (Polen).

Klasse bis 105 kg der männlichen Junioren

Für Daniel Härter war es bereits nach dem Vorjahr seine zweite WM. Er begann seinen Wettkampf mit sicheren 230 kg. Für seinen Zweitversuch ließ er 240 kg auflegen und auch dieser Versuch ging gültig in die Wertung. Auch er versuchte in seinem Drittversuch noch eine bessere Platzierung anzugehen und verlangte nach 255 kg. Doch dieses Gewicht war noch zu schwer. Ich bin mir aber sicher, dass diese Leistung in Kürze fallen wird. Er konnte die WM mit einem guten 6. Platz abschließen. Gold ging hier mit einem fantastischen Juniorenweltrekord von 320 kg an den Polen Mariusz Hintzke, Silber ging mit 270 kg an Ralf Male (Norwegen) und Bronze mit 267,5 kg an Christian Martinsson (Schweden).

Klasse bis 120 kg der männlichen Junioren

In der Klasse bis 120 kg hatte das deutsche Team dann Kevin Jäger am Start. Kevin hätte durchaus auch den Wettkampf bei den Aktiven angehen können, da er aber das Ziel hatte Gesamtsieger der Junioren zu werden, entschied er sich gegen die Teilnahme bei den Aktiven. Kevin begann den Wettkampf mit 317,5 kg, die er sicher in die Wertung brachte. Da er mit diesem Versuch bereits durch war, ging es im Zweitversuch um den Gesamtsieg. Der Pole Mariusz Hintzke hatte mit den gedrückten 320 kg in der Klasse bis 105 kg hier einiges vorgelegt. Kevin hätte 343 kg gebraucht um dies zu überbieten. Da der Aktivenweltrekord bei genau diesem Gewicht lag, verlangte Kevin nach 343,5 kg, damit hätte er neben dem Gesamtsieg der Junioren auch noch den Aktivenweltrekord bei den Junioren gedrückt. Doch im Zweitversuch konnte er diesen Versuch nicht gültig in die Wertung bringen. Im Drittversuch passte dann alles und Kevin drückte den Versuch gültig nach oben. Damit hatte er mit 197,48 Relativpunkten auch die Gesamtwertung gewonnen und seinen achten WM – Titel in der Tasche. Wie im Vorjahr konnte er den Aktivenweltrekord verbessern, sollte diesen aber wieder am nächsten Tag an den Japaner Shinji Ueda verlieren. Trotzdem ist es natürlich noch der Juniorenweltrekord. Silber ging mit 290 kg an den Isländer Viktor Samuelsson und Bronze mit 280 kg an den Ukrainer Yevhen Vasiliev.

In der Gesamtwertung der Junioren belegte Kevin mit 197,48 Relativpunkten den ersten Platz. Silber ging an den Polen Mariusz Hintzke, welcher auf 196,93 Relativpunkte kam (320 kg @ 97,35 kg Körpergewicht) und Dritter wurde der Russe Sergey Usov, welcher auf 189,02 Relativpunkte kam (330 @121,96 kg Körpergewicht).

Klasse bis 63 kg der Frauen

Gunda Fiona von Bachhaus musste nach den Europameisterschaften im Vorjahr in Chemnitz eine Handgelenksverletzung auskurieren. Ihr erster internationaler Start seit dem sollte geschichtsträchtig werden! Gunda ließ im Anfangsversuch 160 kg auflegen, welche sie gültig in die Wertung brachte. Da wir nichts anbrennen lassen wollten, steigerten wir erst einmal auf 165 kg, welche sie ebenfalls drückte und ihren Vorsprung weiter ausbaute. Nachdem klar war, dass sie nicht mehr abgefangen werden konnte und sie ihren neunten WM – Titel sicher hatte, sollte im dritten Versuch was „verrücktes“ passieren. Gunda wog 61,28 kg, bis dato gab es in der IPF noch keine Frau, welche das 3-fache ihres Körpergewichts gedrückt hat. So verlangte sie nun nach 184 kg, was das 3-fache ihres Körpergewichts bedeutete und zudem noch 9 kg über ihrem eigenen Weltrekord lag. Die Halle tobte, die Moderatoren am Livestream auch und Gunda konnte dieses Gewicht gültig in die Wertung bringen! That was E P I C !!! Mit 201,83 Relativpunkten ist sie zudem noch die erste Frau in der IPF, welche die 200 Punkte – Marke im Bankdrücken durchbrochen hat. Im Bankdrücken ist sie nun mit 201,83 Relativpunkten die stärkste bzw. der stärkste deutsche Athlet und im Kraftdreikampf hält sie die absolute deutsche Bestmarke mit 633,20 Relativpunkten.

Mit Weltrekord von 184 kg gewann sie die Klasse bis 63 kg mit 31,5 kg Vorsprung auf die Zweitplatzierte Fanney Hauksdottir aus Island, die 152,5 kg drückte und Bronze ging mit 150 kg an die Dänin Maj Rames. Mit den erzielten 201,83 Relativpunkten gewann sie selbstverständlich auch die Gesamtwertung der Frauen vor Larissa Kotkova (Russland) mit 182,73 Relativpunkten (155 kg @ 55,86 kg Körpergewicht) und vor Anastasia Petrova (Russland) mit 169,42 Relativpunkten (145 kg @ 56,50 kg Körpergewicht).

Klasse bis 72 kg der Frauen

Ina Scholz und Katja Broxtermann vertraten die deutschen Farben in der Klasse bis 72 kg. Für Katja war es der erste internationale Start. Ina ist schon seit ein paar Jahren im Kader vertreten. Leider erwischte Ina bei dieser WM keinen guten Tag. Sie stieg mit 117,5 kg in den Wettkampf ein, konnte aber leider keinen der Versuche in die Wertung bringen. Eine knappe Entscheidung, welche auch durchaus zu Ihren Gunsten hätte ausgehen können. Kopf hoch Ina, es war in deinem achten Wettkampfjahr, dein erster geplatzter Wettkampf und ich bin mir sicher, dass dein nächster Wettkampf wieder besser für dich läuft.

Für Katja lief der erste internationale Wettkampf besser, auch wenn sie sich mehr vorgenommen hatte. Die für den Erstversuch geforderten 105 kg konnte sie nicht in die Wertung bringen. Im Zweitversuch gelang es ihr dann besser und sie drückte den Versuch gültig nach oben. Die für den Drittversuch geforderten 110 kg waren an diesem Tag leider etwas zu schwer. Mit den 105 kg konnte sie einen guten achten Platz belegen und dem deutschen Team drei Nationenpunkte einbringen. In einer sehr eng umkämpften Klasse ging die Goldmedaille an die Japanerin Kumi Mizoguchi mit 160 kg, Silber ging mit dem gleichen Gewicht aber 370 gr mehr Körpergewicht an die Russin Yulia Chistiakova und die Bronzemedaille mit gedrückten 157,5 kg an die Niederländerin Ankie Timmers.

Klasse bis 83 kg der Männer

In der Klasse bis 83 kg startete der Eberswalder Raik Günterberg. Er stieg mit 225 kg in den Wettkampf ein, welche er sicher in die Wertung brachte. Auch die neue persönliche Bestleistung von 232,5 kg konnte er in die Wertung bringen. Für seinen Drittversuch verlangte er nach 240 kg, welche ihm den siebten Platz in der stark besetzten Klasse bis 83 kg eingebracht hätten. Leider konnte er diesen Versuch nicht in die Wertung bringen. Mit den gedrückten 232,5 kg konnte er den achten Platz belegen. Gold ging an den Japaner Yuki Fukushima mit gedrückten 305 kg, Silber an den Polen Daniel Miller mit 285 kg und die Bronzemedaille an den Kasachen Askar Shokanov mit gedrückten 277,5 kg.

Klasse bis 93 kg der Männer

Wie schon in den letzten zwei Jahren war der Thüringer Michael Hildebrandt der deutsche Starter in der Klasse bis 93 kg. Seine Wettkampfvorbereitung ließ einiges erhoffen. Er stieg auch gleich mit einer Bestleistung von 275 kg in den Wettkampf ein, welche er aber nicht auf Anhieb in die Wertung brachte. In seinem Zweitversuch klappte es dann deutlich besser und er verbuchte eine neue persönliche Bestleistung. Für seinen Drittversuch verlangte er dann nach 280 kg, was zudem ein neuer Deutscher Rekord gewesen wäre, doch dieses Gewicht war an diesem Tag noch etwas zu schwer. Mit den 275 kg belegte er den neunten Platz in der mit 16 Startern größten Männerklasse bei dieser WM. Gold ging mit einem neuen Weltrekord von 318,5 kg an den Russen Eduard Tebenkov, Silber an den US-Amerikaner Adam Mamola, der 310 kg drückte und die Bronzemedaille ging mit ebenfalls 310 kg aber 220 g mehr Körpergewicht an den Ukrainer Andrii Krymov.

Klasse bis 120 kg der Männer

In der Klasse bis 120 kg hatte das deutsche Team dann mit René Groß einen weiteren Debütanten und letzten deutschen Athleten am Start. Sichtlich beeindruckt war er von der großen WM-Bühne und den zahlreichen Zuschauern. Mit 270 kg stieg er dann in den Wettkampf ein und konnte diese auch gültig in die Wertung bringen. Die für seinen Zweitversuch geforderten 280 kg gingen dann leider nicht in die Wertung. Für seinen Drittversuch wollte er dann trotzdem noch die Schallgrenze von 300 kg versuchen und auch noch auf eine bessere Platzierung spekulieren, aber er scheiterte auch an diesem Versuch. Er belegte mit den 270 kg aus dem Erstversuch den achten Platz. Auch ein guter Einstand auf der internationalen Bühne. Gold ging hier mit neuem Weltrekord von 355 kg an den Japaner Shinji Ueda, Silber an den US-Amerikaner Brady Stewart mit 335 kg und Bronze mit dem gleichen Gewicht aber 290 gr mehr Körpergewicht an den Russen Sergey Selezen.

Fazit

Wie schon vor zwei Jahren, veranstaltete der dänische Verband im Lalandia Hotel Center eine erstklassige WM, die ein außergewöhnlich hohes Niveau hatte. Angefangen vom riesigen und top ausgestatteten Aufwärmraum über das hervorragende tschechische Loaderteam gab es hier rein gar nichts zu bemängeln. Das professionelle Streaming mit den fachkundigen Moderatoren und dem wohl besten Sprecher Geno, setzte hier neue Maßstäbe, welche erstklassig waren. Danke an Anders Pedersen und sein Team für diese tollen Weltmeisterschaften, welche erstmalig für alle Altersklassen waren.

In der Nationenwertung konnten wir bei der weiblichen Jugend mit nur einer Starterin den fünften Platz von neun Nationen belegen. Sonja Stefanie Krüger wurde zudem die Zweite in der Relativwertung der weiblichen Jugend. Bei den weiblichen Aktiven konnten wir mit nur zwei in die Wertung gebrachten Starterinnen einen tollen achten Platz von insgesamt 15 Nationen belegen. Zudem stellten wir mit Gunda Fiona von Bachhaus auch die Gesamtsiegerin dieser WM. Bei den männlichen Junioren belegten wir mit drei Startern einen hervorragenden fünften Platz von insgesamt 15 Nationen. Zudem stellten wir mit Kevin Jäger den Gesamtsieger der Junioren. Bei den männlichen Aktiven konnten wir mit ebenfalls drei Startern einen 13. Platz von 21 Nationen belegen. Mit 3 Weltmeistertiteln, 3 Weltrekorden, 2 Gesamtsiegern und einer Zweitplatzierung in der Relativwertung war dies das beste Abschneiden des deutschen Jugend, Junioren und Aktiventeams im Bankdrücken seit Jahren. Danke an alle deutschen Athleten, die Teil dieses tollen Wettkampfes waren.

 

 

Markus Schick
Referent für Bankdrücken der Jugend, Junioren und Aktiven im BVDK e. V.

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de