Silbermedaillen für Sonja Stefanie Krüger und Dominik Bogensperger bei der EM in Hamm

Hamm in Luxemburg war vom 10. bis 13. Oktober 2018 der Gastgeber der Europameisterschaften im Equipped-Bankdrücken der Junioren und Aktiven. Die Mannschaft um Alain Hammang richtete in allen Belangen einen guten Wettkampf aus. Vom Aufwärmraum bis zur Bühnencrew, die extra aus Tschechien kam, war alles zur vollsten Zufriedenheit der Athleten.

53 weibliche Athletinnen und 80 männliche Athleten gingen bei den Junioren und Aktiven an den Start. Aus deutscher Sicht waren Marie Hauschild, Sonja Stefanie Krüger, Dominik Bogensperger, Michael Hildebrandt-Schwan, Frank Barthel, René Groß und Kevin Jäger am Start. Leider wurde das deutsche Team im Vorfeld durch Verletzungen, Krankheiten und beruflichen Gründen stark dezimiert. Ursprünglich wären noch folgende Athleten am Start gewesen: Anja Schreiner, Rosina Polster, Raik Günterberg, Malte Fleissner und Sven Lange, die allerdings alle kurzfristig absagen mussten. Außerdem durften die Athleten, welche im KDK Kader sind und für die WM vorgesehen waren auch nicht an den Start gehen. Als Kampfrichter begleitete uns Marc Polster.

Klasse bis 72 kg der weiblichen Juniorinnen

Mit Marie Hauschild war ein Neuling im Bankdrückkader am Start, welche vor knapp fünf Wochen bereits bei der Juniorenweltmeisterschaft im Kraftdreikampf startete. Von ihrem Heimcoach Matze Scholz begleitet, strahlte Marie eine sehr angenehme Ruhe aus. Diese Ruhe verließ sie auch nicht, nachdem sie den Anfangsversuch von 115 kg leider nicht gültig in die Wertung brachte. Im Zweitversuch verlangte sie erneut nach diesem Gewicht und dieses Mal passte alles und sie brachte den Versuch gültig in die Wertung. Mit ihrem Drittversuch versuchte sie sich nun noch auf das Treppchen zu drücken und verlangte nach 130 kg, welches zu diesem Zeitpunkt Bronze bedeutet hätte. Sie scheiterte denkbar knapp an diesem Gewicht, so dass sie mit den gültigen 115 kg aus dem Zweitversuch letztendlich den vierten Platz belegte. Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren noch einen Leistungssprung von Marie sehen werden, die Voraussetzungen dafür hat sie! Gold ging mit 147,5 kg an die Norwegerin Engskar Marthe Ramsrud, Silber mit 137,5 kg an die Russin Anna Mikryukova und Bronze an die Finnin Julianna Lollo.

Klasse bis 63 kg der weiblichen Aktiven

Sonja Stefanie Krüger befindet sich mit gerade einmal 18 Jahren noch in ihrem ersten Juniorenjahr, aber Sonja suchte die Herausforderung in der Aktivenklasse. Mit der amtierenden Weltmeisterin Anna Birzhevaia war die Topfavoritin in der Klasse gesetzt, dahinter sollte es spannend werden. Leider hatte Sonja im Vorfeld bereits mit Schmerzen im Handgelenk zu kämpfen, weswegen nicht klar war, wie sehr sie diese beim Wettkampf behindern würden. Mit 142,5 kg eröffnete sie den Wettkampf und brachte den Versuch auch gültig in die Wertung. Für ihren Zweitversuch verlangte sie nach 147,5 kg womit sie ihre Platzierung weiter ausgebaut hätte, doch diesen Versuch konnte sie nicht gültig in die Wertung bringen. Nun hieß es abwarten, denn mit Andrea Hammarstrom aus Schweden war noch eine Athletin, welche Sonjas zweiten Platz angriff. Doch die von ihr geforderten 145 kg konnte sie dreimal nicht in die Wertung bringen und schied ohne gültigen Versuch aus. Damit war Sonja die Silbermedaille nicht mehr zu nehmen und sie konnte in ihrem Drittversuch auflegen, was sie wollte. So verlangte sie nach 160 kg, was ein neuer Juniorenweltrekord gewesen wäre, doch dieses Gewicht war an diesem Tag noch zu schwer.

Mit den gedrückten 142,5 kg gewann sie letztendlich die verdiente Silbermedaille. Gold ging an Anna Birzhevaia mit 170 kg und Bronze mit 137,5 kg an Anette Tunkkari aus Finnland. Das war dann erstmal Sonjas letzter Wettkampf in der Klasse bis 63 kg. Im nächsten Jahr wird sie ihr Potenzial in der Klasse bis 72 kg weiter ausbauen und man darf gespannt sein, was da noch kommen wird.

Klasse bis 59 kg der männlichen Junioren

Der KSC II Amberg ist seit Jahrzehnten für seine herausragenden Bankdrückerinnen und Bankdrücker um Arthur und Gabi Hirner bekannt, aber auch der Nachwuchs lässt gehörig aufhorchen. In der Klasse bis 59 kg ging Dominik Bogensperger an den Start und absolvierte somit auch seinen ersten internationalen Wettkampf. Bei der Deutschen Meisterschaft im letzten Jahr konnte er sich mit 137,5 kg den DM-Titel sichern. Dominik startete mit 130 kg in den Wettkampf und brachte diesen Versuch gültig in die Wertung. Für seinen Zweitversuch verlangte er nach 137,5 kg, welche ebenfalls kein Problem für ihn waren. Im Drittversuch drückte er dann noch 140 kg, was eine neue Bestleistung bedeutete und nur 5 kg unter dem deutschen Juniorenrekord liegt. Dieser wird in naher Zukunft sicherlich ihm gehören. Die 140 kg bedeuteten die Silbermedaille für Dominik und das bei seinem ersten internationalen Wettkampf. Gold ging mit neuem Junioren-Europarekord von 187,5 kg an den Ukrainer Mykhailo Malkush.

Klasse bis 93 kg der männlichen Aktiven

In der Klasse bis 93 kg startete Michael Hildebrandt-Schwan. Der Thüringer Topathlet hatte sich einiges vorgenommen und nach dem Training für diese EM konnte man auch was erwarten. Mit 280 kg ging Michael in den Wettkampf, doch er erwischte den Versuch nicht gut und scheiterte denkbar knapp an diesem Gewicht. Im Zweitversuch ließ er erneut 280 kg auflegen, doch wieder hatte er technische Probleme und konnte den Versuch nicht gültig in die Wertung bringen. Nun hieß es im Drittversuch alles oder nichts! Die 280 kg würden die Bronzemedaille bedeuten und das motivierte Michael zusätzlich. Unter den Anfeuerungsrufen der deutschen Begleiter erwischte er diesen Versuch deutlich besser und konnte nach einem schönen Kampf das Gewicht ausdrücken. Die Wertung der Kampfrichter sagte 2:1 GÜLTIG, damit war die Bronzemedaille gewonnen... für den Moment... Dann passierte etwas, was einen wirklich herben Beigeschmack hatte und große Enttäuschung auslöste. Die Jury, allen voran das schwedische Jurymitglied überstimmte das Kampfgericht. Bei einer 2:1 Entscheidung kann die Jury bei einem klaren Regelverstoß die Wertung verändern, sowohl zum positiven als auch zum negativen. Sofort wurde gegen diese Entscheidung protestiert, aber die Jury ließ sich nicht davon abbringen, man war der Meinung, dass der rechte Arm nicht durch war.

Das war aber definitiv nicht der Fall, wie man auch deutlich auf dem Video erkennen kann. Das einzige war, dass Michael eine kleine Abwärtsbewegung hatte, aber hier sagt das Regelwerk, dass die ganze Hantel sich abwärts bewegen muss und auch das war nicht der Fall, sondern lediglich auf der rechten Seite. Also regelkonform! Aber die Jury ließ sich nicht überzeugen und Micha schied ohne gültigen Versuch aus. Der herbe Beigeschmack dabei, dadurch dass Michas Versuch overruled wurde, konnte sich der schwedische Athlet Joakim Wang die Bronzemedaille sichern... Ich erinnere nochmals an meine Worte...: „Die Jury, allen voran das schwedische Jurymitglied überstimmte das Kampfgericht...“ Micha wurde um die verdiente Bronzemedaille betrogen! Ich hoffe, dass er schon bald bei den nächsten internationalen Wettkämpfen dafür entschädigt wird und sich seine internationale Medaille holt, verdient hat er es allemal! Zur Vervollständigung, Gold ging mit 310 kg an Andrii Krymov (Ukraine), Silber mit 302,5 kg an Jan Wegiera (Polen) und Bronze mit 260 kg an Joakim Wang (Schweden).

Klasse bis 105 kg der männlichen Aktiven

Mit Frank Barthel startete der nächste deutsche Athlet in der Klasse bis 105 kg. Leider erwischte Frank einen schwarzen Tag. Die von ihm aufgelegten 277,5 kg konnte er in allen drei Versuchen nicht in die Wertung bringen, somit schied er ebenfalls ohne gültigen Versuch aus.

Klasse bis 120 kg der männlichen Aktiven

Bei der letztjährigen DM konnte René Groß die 300 kg Marke durchbrechen und sich damit erneut für den Bankdrückkader qualifizieren. Seine Vorbereitung lief sehr gut und er hatte große Ziele vor Augen. Mit einer neuen PB in der Klasse bis 120 kg von 305 kg stieg René in den Wettkampf ein und brachte dieses Gewicht sicher in die Wertung. Für seinen Zweitversuch verlangte er nach 315 kg, also ein 10 kg Sprung und auch dieses Gewicht konnte er gültig in die Wertung bringen. Nun ging das Pokern los. René verlangte nach 322,5 kg um sich die Bronzemedaille zu diesem Zeitpunkt zu sichern, aber leider war dieses Gewicht an diesem Tag noch etwas zu schwer. Mit 315 kg konnte René einen sehr guten vierten Platz bei den Aktiven belegen! Ein wirklich sehr starker Wettkampf und ich bin gespannt, was René in Zukunft noch zu Stande bringt. Die Versuche bei dieser EM lassen einen optimistisch nach vorne schauen. Gold ging mit 350 kg an Sergey Usov (Russland), Silber mit 340 kg an Per Marius Hole (Norwegen) und Bronze mit 322,5 kg an Dmitry Andrianov (Russland).

Klasse plus 120 kg der männlichen Aktiven

Die schwerste Klasse sollte dann diese EM mit einem Highlight abschließen und zwar von keinem geringeren als Kevin Jäger! Kevin hatte eine wirklich gute Vorbereitung und befindet sich aktuell in der besten Form seiner Laufbahn. Bei dieser EM sollte nicht nur erstmals die 400 kg Marke durchbrochen werden, sondern zudem auch noch Geschichte geschrieben werden. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 410 kg, gehalten von Blaine Sumner (USA). Die Aufwärmversuche sahen sehr stark aus und Kevin war bereit! Mit 417,5 kg stieg er in den Wettkampf ein. Kontrolliert ließ er das Gewicht auf die Brust, doch beim Ausdrücken konnte er den linken Arm nicht ganz durchdrücken und scheiterte denkbar knapp an diesem Versuch. Nach kurzem Feedback zwischen Kevin und den Betreuern entschied man sich für den Zweitversuch für 420 kg. Mit etwas mehr Gewicht sollte Kevin besser auf die Brust kommen und damit Kraft für das Drücken sparen. Kevin kam etwas besser auf die Brust, doch wieder scheiterte er beim Ausdrücken. Dieses Mal noch deutlich knapper als schon beim Erstversuch. Jeder Anwesende sah, dass Kevin dieses Gewicht drauf hatte, aber wie das ja bei Maxversuchen ist, muss halt alles zu 100 % stimmen. Man entschied sich für den Drittversuch nochmals für eine Steigerung, dieses Mal auf 422,5 kg. Die Halle tobte und alle Mitkonkurrenten feuerten Kevin ebenfalls an, man spürte das historisches in der Luft lag. Doch leider sollte auch dieser Versuch nicht gelingen. Kevin kam leicht aus dem Ablauf und scheiterte auch an diesem Versuch. Trotz drei ungültigen Versuchen zweifelt nach diesem Wettkampf aber niemand der Anwesenden, dass diese Lasten in Kürze von Kevin durchbrochen werden. Kev, Du bist was Equipped Bankdrücken betrifft ein absolutes Phänomen und jeder würde sich von Deinem Können gerne eine Scheibe abschneiden. Bleib so am Ball und Du wirst in Kürze Geschichte schreiben! Die Zukunft des Bankdrückens geht nur über Kevin Jäger! Die Goldmedaille gewann mit 347,5 kg der Bankdrückveteran und Legende Kenneth „Kenta“ Sandvik (Finnland). Silber ging mit 340 kg an Niklas Pettersson (Schweden) und Bronze mit 330 kg an Artem Litvinenko (Russland).

  

Markus Schick
Referent im Bankdrücken der Jugend, Junioren und Aktiven im BVDK e. V.

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de