Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren im Kraftdreikampf 2016

Vor nur ein paar Stunden endete die diesjährige Nachwuchsweltmeisterschaft, welche vom 29. August bis zum 3. September stattgefunden hat. Die Ausrichtung des Wettkampfes war solide und auch die Atmosphäre war einer WM würdig. Die Scheibensteckerteams waren so gut, dass es keine Missloads oder abgeworfene Hanteln zu bemängeln gab. Die Nahrungsaufnahme gestaltete sich etwas schwierig, da im zwar durchaus schönen Ort Szczyrk (Polen) die Bürgersteige ziemlich früh hochgekrempelt wurden.

Da ich bereits viele Ergebnisse zeitnah zum Wettkampfgeschehen hochgeladen habe, werden die ein oder anderen Ergebnisse bereits bekannt sein.

Unsere erste Heberin und einzige weibliche Starterin war Sonja-Stefanie Krüger, die in der Klasse bis 63 kg bei den Jugendlichen an den Start ging. Sie belegte mit nur einem gültigen Versuch in jeder Disziplin unangefochten den ersten Platz mit einem neuen Weltrekord von 503 kg. In der Kniebeuge ging es bereits mit 215 kg und einem neuen Jugend-WR und Junioren-ER los. Im Bankdrücken folgte sogar der Jugend-Einzelbank-WR mit 128 kg. Im Kreuzheben gingen 160 kg in die Wertung. Die für den Relativsieg nötigen 170 kg brachte sie leider äußerst knapp nicht mehr in die Wertung, dennoch reichten bereits die 160 kg um auch hier Bronze zu holen. Mit 545 Punkten belegte Sonja somit den zweiten Platz in der Relativwertung bei den ganzen jugendlichen Teilnehmerinnen. Sie wird zur WM Aktive noch eine gute Ecke drauflegen können – dies kann ich anhand ihrer Trainingsleistungen prognostizieren. Auf der Zunge zergehen lassen darf man sich, dass Sonja sogar noch ein weiteres Jahr bei den Jugendlichen hat. Wahnsinn, Sonja!!!

Marius Milla trat in der Klasse bis 74 kg bei den Junioren an. Mit einem unglaublich kämpferischen Kreuzhebeversuch von 295 kg konnte er sich den dritten Platz (740 kg) aufgrund des leichteren Körpergewichtes sichern. Beide Leistungen sind neue deutsche Aktivenrekorde. Mit den 295 kg zog er als erster deutscher Heber das vierfache Körpergewicht in einem IPF Wettkampf. Einfach ein toller Abschluss der Juniorenlaufbahn. Ich habe selten so einen Fight im Kreuzheben und so einen Kampfgeist gesehen. Du kannst stolz sein, Marius.

Hannes Haase bestritt seine erste internationale Meisterschaft und startete als unser einziger männlicher Jugendlicher in der Klasse bis 83 kg. In der Kniebeuge ließ er es ordentlich krachen und sicherte sich mit einem kämpferischen Versuch von 285 kg die Goldmedaille. Im Bankdrücken gelangen sehr solide 175 kg. Im Kreuzheben gelangen 235 kg. Die für Platz drei notwendigen 240 kg wollten einfach nicht in die Wertung gehen, somit musste Hannes sich mit 695 kg und dem vierten Platz „zufrieden geben“. Hier wird im nächsten Jahr noch einiges zu erwarten sein. Es war schön zu sehen, dass er als Neuling es sofort voll und ganz ins Team geschafft hat. Man merkte ihm nicht an, dass er der „Frischling“ ist.

In der Klasse bis 83 kg der Junioren hatten wir gleich zwei Starter im Einsatz. Julian Schnurr errang einen tollen fünften Platz mit 767,5 kg. Im Kreuzheben konnte er sich zudem die Bronzemedaille mit 287,5 kg sichern. Viktor Beilmann rückte dicht auf mit 745 kg und sicherte sich damit den sechsten Platz. Mit nur 19 Jahren brachte er mit Herzen gekämpfte 300 kg in der Kniebeuge in die Wertung. Julians Vater, Mario Schnurr, kündigte einen Gewichtsklassenwechsel in die Klasse bis 93 kg für das kommende Jahr für Julian an. Diese Entscheidung halte ich für sehr sinnvoll. Hier dürfte dann wieder ein schöner Leistungssprung zu erwarten sein.

Auch in der Klasse bis 93 kg traten wir mit zwei Startern an. Franz Graaf belegte trotz seiner Rückenverletzung den fünften Platz mit 762,5 kg. Sehr erfreulich waren die im Bankdrücken bewältigten 215 kg. Maxim Schutan konnte nicht richtig in den Wettkampf hinein finden und hatte Mühe bei den Kniebeugen. Im Bankdrücken konnte er mit starken 217,5 kg dennoch überzeugen. Mit 745 kg erreichte er einen soliden sechsten Platz bei seiner ersten Junioren-WM (Equipped). Maxim ist mental noch sehr schwach und muss hier noch stark an sich arbeiten. Er hat ein Riesenpotenzial, das er in den nächsten Jahren durchaus abrufen kann. Dies erfordert aber harte Arbeit.

In der Klasse bis 105 kg hatten wir erneut zwei Starter. Tim Leitow wuchs an diesem Tag einfach über sich hinaus. Hier zeigte er, dass er trotz der nicht optimalen Vorbereitung ein eiserner Wettkampftyp ist. Abdul Durani bestritt seinen ersten Wettkampf für das deutsche Team und brachte trotz eines heiklen Kniebeugestarts noch einen tollen Wettkampf auf die Bühne und erreichte einen neuen deutschen Junioren-Rekord von 860 kg im Total, den Tim mit seinem letzten Kreuzhebeversuch von 315 kg (DRJ) auf 872,5 kg hochschraubte. Diese Leistungen haben es wirklich in sich. Tim belegte in dem starken Feld den sechsten Platz. Abdul erreichte den achten Platz. Um die Leistung mal in die richtige Perspektive zu rücken – beide erreichten die B Norm der Aktiven. Weiter so!!!

In der Klasse bis 120kg machte es Kevin Jäger spannend wie nie zuvor. Mit 377,5 kg sicherte er sich zunächst einmal die Goldmedaille in der Kniebeuge und legte den Grundstein für das Total. Im Bankdrücken schraubte er, den von ihm selbst gehaltenen EINZELBANKDRÜCKWELTREKORD DER AKTIVEN, auf satte 356 kg nach oben. „Schraubte“ ist vermutlich etwas untertrieben, denn dies war ein Bilderbuchversuch mit deutlicher Luft nach oben. Im Kreuzheben sicherte er sich mit konservativen 292,5 kg den Weltmeistertitel bei den Junioren. Das Total von 1026 kg ist gleichzeitig auch ein neuer deutscher Aktivenrekord. Wahnsinn – man bedenke zudem, dass Kevin noch zwei Juniorenjahre vor sich hat.

In der Klasse über 120 kg trat Nick Lieberknecht an. Da er bereits in der Kniebeuge nicht richtig in den Wettkampf gefunden hat und drei Anläufe brauchte um die 302,5 kg (PB) in die Wertung zu bringen, entschieden wir uns im Bankdrücken dafür keine Spielchen mit seinem engeren Shirt zu treiben und sicherten nun lediglich den sechsten Platz im Total mit einem alten Shirt ab. Im Kreuzheben war die Luft nach dem Erstversuch dann leider raus. In der Kniebeuge bewies er Nerven und zeigte, dass er kämpfen kann. Für das nächste Jahr hat er noch einiges an Arbeit vor sich (vor allem auch mental).

In der Nationenwertung belegten wir einen schönen vierten Platz und waren wieder einmal die stärkste westeuropäische Nation bei den Junioren.

Fazit

Wir haben unser Ziel in der Nationenwertung erreicht. Ich bin sehr stolz auf das Team und freue mich über die gezeigten Leistungen und über das Auftreten meiner Sportler. Über die Sportlichkeit des deutschen Teams wurde sehr häufig während der Veranstaltung äußerst positiv gesprochen. Es scheint somit auch nach außen sichtbar zu sein, das wir hier als eine Einheit auftreten. Jeder war für jeden da. So muss das sein. Hervorheben möchte ich auch Kevin Jäger, der sich einen Tag vor seinem Wettkampf nicht zu schade war, Abdul noch einmal den letzten Schliff im dritten Versuch bei den Bandagen zu geben. Es waren einige heiße Thriller bei und ich bin sehr froh, dass alle Sportler (es waren immerhin elf) ihre Versuche in die Wertung gebracht haben. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch anders hätte ausgehen können, aber so ist das eben im Spitzensport. Auch beim Weitsprung übertreten Weltmeister und -rekordhalter. Diese Sportler heben an ihren Grenzen und nutzen das Equipment so gut wie möglich aus.

Nicht vergessen möchte ich auch, mich bei Heiko Krüger, Reiner Heinrich und Werner Häfner zu bedanken, die stets an Ort und Stelle waren, wenn man sie brauchte. Auch Mario Schnurr möchte ich nicht missen, der sowohl seinen Sohn als auch Kevin tatkräftig unterstützt hat. Danke für die Unterstützung aus den Zuschauerreihen einiger Sportfreunde, die extra zu dieser Veranstaltung anreisten um das deutsche Team anzufeuern. Ohne Eure Unterstützung sind solche Leistungen nicht möglich. Ich bin froh, dass ich ein Team an Betreuern (auch aus den Sportlerreihen) habe, die mich bei meiner Arbeit so unterstützen.

Ich werde mich nun in meine Abendkleidung werfen und voller Stolz mit meinen Sportlern einen schönen Abend beim Bankett verbringen, bevor es dann morgen in die Heimat geht, um am Mittwoch wieder nach Italien weiterreisen zu können mit dem WEC-Team - worauf ich mich auch schon freue.

Klasse gemacht Jungs und Sonja. Zweimal die Hymne, tolle Platzierungen und unglaublicher Kampfgeist gepaart mit Wahnsinnsversuchen am Rande des Leistungsvermögens.

 

Francesco Virzi
Bundestrainer Kraftdreikampf im BVDK e. V.

 

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de